Das Work-and-Go Projekt

Wahrscheinlich sitzen Sie gerade während Sie das hier lesen, oder?

Laut einer aktuellen Studie sitzen Deutsche an Werktagen durchschnittlich 7,5 Stunden. Immer wieder fällt die Aussage „Sitzen ist das neue Rauchen“ welche deutlich macht, dass der Bewegungsmangel sich negativ auf den Körper auswirkt.

Dabei hat tägliche Bewegung viele Vorteile: Verbessert die Gesundheit, baut Stress ab, erhöht die Konzentration und führt zu  einer positiven Stimmung.

Büroangestellte sind oft gezwungen täglich mehrere Stunden am Schreibtisch zu sitzen. Natürlich kann man auch einen Stehschreibtisch benutzen, was auf jeden Fall ein Verbesserung gegenüber dem Sitzen ist. Jedoch gibt es auch hier eine Art „Ruhe-Position“ die sich ebenfalls negativ auf die eigene Gesundheit auswirken kann.

Am besten wäre es am Schreibtisch immer in Bewegung zu bleiben. Eine Lösung ist die Kombination aus Stehschreibtisch mit speziellen (langsameren) Laufbändern. Hier ist der Nachteil, dass man zum Laufen gezwungen wird. Läuft man zu langsam, entfernt man sich automatisch vom Schreibtisch.

Das „Work-and-Go“ Projekt versucht eine bessere Lösung anzubieten: Eine Lauffläche welche direkt auf den Benutzer reagiert und sich intuitiv benutzen lässt. Bleibt man stehen soll auch die Fläche stehen bleiben, will man während der Arbeit gehen soll die Fläche sich genau so bewegen, dass sich die Position zum Schreibtisch nicht ändert.

Die Lösung ist ein großes Rad mit einer Lauffläche auf der Innenseite. Das Rad muss so groß sein das der Benutzer und der Schreibtisch genug Platz haben. Inspiriert wurde die Konstruktion des Rades durch eine „Do-it-Yourself“ Anleitung, in der der Macher auf ein Rad aus Holz gesetzt hat: www.instructables.com/id/Hamster-Wheel-Standing-Desk/

Natürlich sollte das Rad nicht einfach nachgebaut werden. Das Ziel des „Work-and-Go“ Projekt war das Rad und den Schreibtisch in vielen Punkten zu verbessern:

  • Größerer Durchmesser für ein besseres Laufgefühl
  • Bessere Lagerung für ein möglichst geräuscharmen Betrieb
  • Breitere Lauffläche um einen zweiten Bildschirm besser nutzen zu können
  • Halbdurchsichtige Lauffläche für einen besseren „Durchblick“
  • Adaptive Bremse um die maximale Geschwindigkeit zu begrenzen
  • Am Ende des Tages macht man einen kleinen Schritt und ist sprichwörtlich aus dem Hamsterrad heraus

Herausgekommen ist eine neue und einzigartige Art die tägliche Schreibtischarbeit zu erleben.
Der Nutzer gewöhnt sich schnell an die Eigenschaften des Rades und denkt nicht mehr aktiv über die eigene Laufbewegung nach. Dadurch wird es einem nicht vorgeschrieben wie schnell man geht. Das Rad passt sich wie von selbst an die persönliche Laufgeschwindigkeit an. Man kann auch rückwärts laufen oder durch Schwerpunktverlagerung das Rad schaukeln lassen.

Mit dem „Work-and-Go“ kann man den ganzen Tag arbeiten und ist gleichzeitig immer in Bewegung!

Vielen Dank an das Team von Metallbau Glanzner für die Unterstützung bei der Fertigung und der Montage des Rades!

In Zukunft werden weitere Beiträge erscheinen welche die einzelnen Werkzeuge vorstellen, die bei der Entwicklung des „Work-and-Go“ Projekts eingesetzt wurden. (CAD, FEM, Visualisierung und Virtual Reality)

6 Gedanken zu „Das Work-and-Go Projekt“

  1. Awesome idea . The whole thing looks pretty stable and as I am aware of your talents, this will be by far more silent than a wooden wheel. Great job. Are planing to produce in series? Can I charge my phone with it? Keep the wheel spinning !

    1. Thanks for your nice comment! You’re right, the first prototype is a bit too stable and heavier than it would be necessary. The wheel consists of aluminium and steel and is much less noisy than a wooden wheel.

      If you want to charge your phone, the wheel needs a generator and some electronics. This is possible but not on top of the todo-list. At the moment there is no series production planned, are you interested in buying one? 🙂

  2. Sehr geehrter Herr Glanzner,

    ich studiere Medizin in NRW und finde mich leider auch durch meine Forschungsarbeit viel zu oft in in einer unphysiologischen, sitzenden Position am Schreibtisch wieder. Durch die Instructables Anleitung bin ich nun auf ihr Aluminium Hamsterrad gestoßen und möchte nachfragen, ob sie weitere Räder planen und verkaufen?

    Ich freue mich auf Ihre Nachricht und wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
    Sina Speck

    1. Sehr geehrte Frau Speck,

      vielen Dank für Ihre Nachricht!
      Leider gibt es bis jetzt nur diese eine Rad, welches hier in meinem Büro steht.

      Im Moment sind auch keine weiteren Räder geplant, da das Rad zu groß ist für die meisten Büroräume.
      Der aktuelle Prototyp wiegt 175kg, ist 1m breit und 2,4m hoch.
      Damit ist das Rad noch zu schwer und zu groß um sich gut vermarkten zu lassen.

      Im Moment bin ich noch am Überlegen wie man das Rad kleiner und leichter konstruieren kann.

      Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche!
      Sebastian Glanzner

  3. Hi Sebastian !
    ich bin auch ein (ex-) Hamster-Radler und bin grad auf deine Seite gestoßen. Sieht echt sehr chique und stabil aus. Ich sehe, du hast deine volle Deckenhöhe ausgenutzt 😉 Ich hatte nur 2m Innendurchmesser und das war doch recht anstrengend, immer in der Banane zu laufen – habe so ca. 2 Stunden/Tag rausgeholt.
    Ich entwickle grade an meinem nächten Projekt: Eine Laufmaschine (so etwas wie ein Laufband, aber mit Lamellen auf kleinen Rädern anstatt einem Band), welches die Nachteile der herkömmlichen kommerziellen Produkte umgeht: [Abbremsteffekt bei Bandlaufbändern und krasse Vibrationen bei Lamellenlaufbändern wie Woodway oder Sprintex (die sind ja auch nicht gebaut, um dort täglich 4-8 Stunden drauf zu verbringen)]

    Schade, dass das Thema Laufen-statt-Sitzen viel zu wenig Beachtung findet und dass es dort auch noch keine gescheite kommerzielle Lösung gibt.

    1. Vielen Dank für deinenn netten Kommentar!
      Richtig gesehen ich habe die Deckhöhe ziemlich ausgereizt um einen möglichst großen Innendurchmesser (2,3m) zu erreichen 🙂

      Ein Laufband was unter den Schreibtisch passt und keinen Elektromotor benötigt wäre die ideale Lösung! Aber einen gewissen Bremseffekt sollte schon eingebaut sein, damit das Band nicht von selbst zu schnell wird. Viel Erfolg bei deinem Projekt, klingt sehr spannend!

      Zur Zeit sieht es wirklich danach aus als ob Laufbänder in Büros noch sehr selten sind. Im Moment sind ja alle damit beschäftigt erstmal höhenverstellbare Schreibtische anzuschaffen. Aber ich denke die Nachfrage nach Bewegung während der Büroarbeit wird in Zukunft ansteigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.